Wie faste ich richtig ?

In diesem Jahr gibt es sie nur im Fernsehen: die Büttenreden auf Faschingssitzungen.  

Klartext wird da geredet, die Wahrheit wird schonungslos ans Licht gebracht auf humorvolle Art und Weise. Den Menschen sollen die Augen geöffnet werden.  

Dasselbe gilt von den sogenannten Fastenpredigten wie das berühmte Derblecken am Nockerberg.  

Gott selbst fordert seinen Propheten Jesaja auch dazu auf, Klartext zu reden, mit der unangenehmen Wahrheit nicht hinterm Berg zu halten.  

Gott möchte seinem Volk durch den Propheten die Augen öffnen.

Wie ein Trompetenstoß, der wachrütteln soll, soll Jesaja auf ihren Denkfehler, auf ihre Fehlhaltung aufmerksam machen:

 Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und  verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden!

(2)Sie suchen mich täglich und begehren, meine Wege zu wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie begehren, dass Gott sich nahe.

(3)»Warum  fasten wir, und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib, und du willst's nicht wissen?« - Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.

(4)Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.

(5)Soll das ein  Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat?

(6)Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!

(7)Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

(8)Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und  deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und  die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen.

(9)Dann wirst du rufen, und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.  Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest. ( Jesaja 58,1-9)

Was waren das für Menschen, die damals angesprochen wurden ?

Es waren nach außen recht fromme Menschen.

Menschen, die Gott täglich suchen, das heißt, sich an ihn wenden mit ihren Anliegen, die also täglich beten.

Es heißt von ihnen weiter, dass sie Gottes Wege wissen wollen.

Das bedeutet doch, dass sie nach Gottes Führung für ihr Leben fragen.

Und dann fasten sie auch noch, um Gott zu gefallen, sie halten die damals vorgeschriebenen Fastenregeln ein.

 

Klingt alles wirklich vorbildlich.

 Es sind keine gottlosen Menschen oder wie so viele heute in unserem Land, die den Kontakt mit Gott abgebrochen haben, denen Gott einfach gleichgültig ist.

Nein, es waren Menschen, die regelmäßig in den Gottesdienst kommen, um Gottes Nähe zu suchen.

 

Es geht hier also um Menschen, die nach Gott fragen, denen Gott und die Beziehung zu ihm wichtig ist.

 Ich kann mir vorstellen, diese Menschen sind aus allen Wolken gefallen, als sie diese harten Worte von Jesaja gehört haben.

Dass gerade sie hier so hart kritisiert werden.

 

Es wird leider nicht berichtet, wie die Menschen damals auf diese Kritik reagiert haben.

Vielleicht sind sie selber über sich erschrocken.

 

Von außen betrachtet ist es auf jeden Fall erschreckend, wie blind sie auf mindestens einem Auge waren.

Was ist da passiert ?  Wie kann es überhaupt sein, dass gläubige Menschen, die Gottes Nähe suchen, gleichzeitig ihre Mitmenschen, zumindest einen Teil davon, so schlecht behandeln ?

Haben sie es gar nicht gemerkt, wie andere Menschen unter ihnen leiden ?

 

Könnte uns das auch passieren ?

Im Einzelnen nennt Jesaja bei dem Verhalten der Menschen damals:

Sie bedrücken ihre Arbeiter, sie binden andere mit Unrecht, sie legen anderen ein Joch auf.

Das kann uns nicht passieren, denken wir im ersten Moment, Knebelverträge, unmenschliche Arbeitsbedingungen, Sklaverei, das hören wir zwar weltweit leider oft in den Medien, aber wir haben doch gar nicht solch eine Machtposition über andere.

Die wenigsten von uns sind Chefs eines Unternehmens, oder sind beruflich Vorgesetzte von anderen Mitarbeitern.

 

Aber es gibt ja auch im familiären oder anderen gesellschaftlichen Bereichen, Beziehungen zwischen Menschen, wo ich eine gewisse Macht über andere habe.

Wo andere von mir abhängig sind, wo ich in der stärkeren Position bin.

Immer da muss ich besonders selbstkritisch sein und aufpassen, dass ich diese Position nicht ausnutze. Da kann es schon passieren,

dass ich es manchmal gar nicht merke, wo andere unter mir leiden.

 

Hader und Zank wird genannt, Dreinschlagen mit gottloser Faust, mit Fingern auf andere Zeigen, schlecht über andere reden:

In solche Verhaltensmuster mehr oder weniger ausgeprägt hineinzugeraten, das kann jeden betreffen, nicht nur Chefs oder Mächtige.

Jeder hat da seine individuellen Gefährdungen,

da mal reinzurutschen.

Meistens ist es leider so, dass es einem bei den anderen schnell auffällt, bei einem selber dagegen nimmt man es gar nicht so wahr.

 

Die bevorstehende Fastenzeit kann dazu dienen, unser Alltagsleben zu prüfen.

Jesaja legt den Finger in die Wunde und zeigt den Menschen auf,

was Gott an ihrem praktischen Leben nicht gefällt.

 

Noch einmal zurück zu der Frage, wie konnten die Menschen in Israel damals sich so gegenüber ihren Mitmenschen verhalten, obwohl sie  täglich gebetet und gefastet haben ?

Eine noch erschreckendere Erklärung als die Blindheit gegenüber ihrem eigenen Verhalten wäre, dass sie es sogar für vereinbar mit ihrem Glauben an Gott halten. Dass sie gar kein Unrechtsbewusstsein hatten.

Dann allerdings hätten sie wirklich keine Ahnung, wer und wie Gott ist. Dann hätten sie keine Ahnung von den guten Geboten Gottes, von der Liebe Gottes zu allen seinen Geschöpfen.

 

Das interessante ist: sie wollen Gott anscheinend mit ihrem Fasten gefallen, vor ihm gut dastehen.

Es heißt von ihnen:

„Sie fordern von mir Recht, sei begehren, dass Gott sich nahe.“

Sie beschweren sich bei Gott, dass er sie nicht hört.

Sie fühlen sich im Recht ihm gegenüber.

Sie denken, wenn sie für Gott fasten, dann müsste er ihnen auch als Gegenleistung gewogen sein.

Was für ein schreckliches Missverständnis.

Als ob sie gegenüber Gott irgendeinen Rechtsanspruch auf irgendetwas hätten. Als ob sie Gott irgendetwas geben könnten durch ihr Fasten !

Fasten verstehen sie als religiöse Übung oder Leistung, um sich lieb Kind bei Gott zu machen oder besser gesagt, um ein Geschäft mit Gott zu machen.

 

Und jetzt  wundern sie sich, warum Gott sie nicht hört, warum anscheinend die Kommunikation zwischen ihnen und Gott gestört ist.

Sie erkennen den Grund für diese Kommunikationsstörung nicht.

Dabei liegt dieser auf der Hand.

Das können wir uns an einem Beispiel auf der menschlichen Beziehungsebene gut klarmachen:

Das sind Eltern, die ihre Kinder alle gleichermaßen lieben.

Das eine Kind versucht alles, um seinen Eltern zu gefallen, gleichzeitig ärgert es die ganze Zeit seine Geschwister und macht ihnen das Leben schwer.

 

Ist es nicht logisch, dass dieses Verhalten nicht nur die Geschwister verletzt sondern auch die Eltern ?  

Dass es nicht nur die Beziehung zu den Geschwistern belastet, sondern auch die Beziehung zu den Eltern ?

Sünde ist Beziehungsstörung.

Und jedes Mal, wenn ein Mensch einen Mitmenschen schlecht behandelt, ist automatisch Gott mitbetroffen. Denn Gott liebt alle seine Geschöpfe gleichermaßen.

 

Was für ein Missverständnis, wenn Menschen denken ihre Gottesbeziehung hegen und pflegen zu können völlig losgelöst von ihrer Beziehung zu ihren Mitmenschen.

Unsere Beziehung zu Gott ist keine einlinige, eindimensionale Beziehung, wo es nur um mich und Gott geht.

Es ist immer wie ein Dreieck zu denken. Gott, Mitmenschen und ich.

Und alle diese Beziehungen beeinflussen sich gegenseitig.

Und wenn eine Beziehung gestört ist, dann hat das immer Auswirkungen auf das ganze Beziehungsdreieck.

 

Fasten als religiöse Übung, als Selbstzweck sozusagen, geht völlig am ursprünglichen Sinn und Ziel des Fastens vorbei.

Fasten als Verzicht auf Speisen sollte eine Hilfe, eine äußerliche Hilfe sein, mein Leben insgesamt vor Gott zu überdenken, es ihm ganz zur Verfügung zu stellen.

Es ist keine zusätzliche fromme Leistung, mit der ich Pluspunkte vor Gott sammeln könnte, sondern es soll mir helfen mein Alltagsleben mit allen Beziehungen, die dazugehören zu erneuern, zu stärken, wenn nötig zu korrigieren, sie im Licht Gottes zu sehen.

Und dazu gehört selbstverständlich auch meine Beziehung zu meinen Mitmenschen.

 

Gott selbst will uns mit einem Fasten keine zusätzlichen Lasten, kein zusätzliches Joch auflegen, sondern will unsere Beziehungen, unser ganzes Beziehungsdreieck gut und heil werden lassen.

Das ist ein Heilfasten im wahrsten Sinne des Wortes.

Es heilt unsere Beziehungen, stärkt sie, sowohl die zu Gott als auch zu unseren Mitmenschen.

Dann sagt Gott, wirst du sehen, was das für eine wunderbare Wirkung hat: „deine Heilung wird schnell voranschreiten“

 

Im Endeffekt ist es wie beim körperlichen Heilfasten.

Auch das geistliche Fasten, das Fasten aus geistlichen Gründen ist ein Heilfasten, das letztlich auch mir selbst zugute kommt.

Weil es mir selbst unendlich gut tut, wenn ich in heilen Beziehungen leben darf. Wenn dieses Beziehungsdreieck zwischen Gott, meinen Mitmenschen und mir heil ist.

Weil ich als Mensch ein Beziehungswesen bin, kann ich qua Definition mein Heil nicht isoliert für mich allein oder nur in der einlinigen Beziehung zu Gott erlangen.

In diesem Sinne wünsche ich uns in der vor uns liegenden Fastenzeit heilsame Erfahrungen, Heilung von Beziehungen,

Gottes umfassendes Heil an Leib und Seele.