Eine Familienkrise - und was dann geschah...

Was ist eigentlich eine Krise ?

Wir sprechen in den letzten Jahren gefühlt immer öfter von Krisen:

Im Moment stehen drei Krisen im Vordergrund: die Coronakrise mit inzwischen weltweit über 2 Millionen Toten, die Flüchtlingskrise mit über 80 Millionen Menschen, die im Moment auf der Flucht sind, und die Klimakrise, die unsere menschlichen Lebensgrundlagen zu zerstören droht.

Das Wort Krise wird daher heute fast in der Bedeutung von Katastrophe gebraucht.

Die Ursprungsbedeutung aus dem Griechischen ist aber Entscheidung.

 Es kommt von trennen, entscheiden, urteilen.

In der Krise, da entscheidet sich etwas für uns.

Da kann es in verschiedene Richtungen gehen.

Zum Teil spielt da auch unsere menschliche Entscheidung eine Rolle.

 

Vor etwa  3100 Jahren in Israel war auch eine Krisenzeit, eine Zeit der Entscheidung.

Es war die Zeit zwischen dem Einzug der Israeliten unter Josua in das gelobte Land und der Königszeit, die mit der Salbung Sauls im Jahr 1000 vor Christus begann.

Man nennt diese Zeit die Zeit der Richter. 

Mit den Richtern waren damals von Gott in Krisenzeiten berufene Menschen gemeint, die für eine gewisse Zeit nicht nur Recht sprachen, sondern die 12 Stämme Israels auch gegen Angriffe von Nachbarvölkern vereinten.

Die erste Krise dieser Zeit war eine Glaubenskrise, eine Vertrauenskrise gegenüber Gott.

Immer wenn es den Israeliten gut ging, die Gefahr äußerer Bedrohung wieder vorüber war, sie sich sicher fühlten, vergaßen sie Gott und begannen verschiedenste andere Götter zu verehren.

Es ging hier um eine Krise im ursprünglichen Wortsinn: eine Entscheidung, dem lebendigen Gott zu vertrauen oder anderen Göttern.

Diese Krise wird heute meist nicht genannt, vielleicht ist noch von der Krise der Kirchen die Rede.

Aber es ist eben viel mehr als eine Kirchenkrise.

Die Glaubenskrise ist tatsächlich groß in unserem Land heute.

Selbst ein großer Teil der offiziellen Kirchenmitglieder vertraut dem Wort Gottes in der Bibel nicht mehr, ja fragt nicht einmal mehr danach, interessiert sich nicht dafür und kennt es deshalb gar nicht.

Und wie sonst könnte ich Gott kennenlernen, ihm vertrauen lernen außer indem ich erst einmal auf ihn höre.

Diese Krise wird von den meisten Menschen gar nicht als Krise wahrgenommen.

Als Krise in dem Sinn, dass sie es als eine wichtige Entscheidung  für sich ansehen würden.

Die meisten trennen sich von Gott ohne eine bewusste oder begründete Entscheidung für oder gegen ihn zu treffen.

Es ist deshalb eine unbewusste, schleichende Krise, Entscheidung gegen den Glauben an den lebendigen Gott.

 

Die zweite Krise damals in Israel war eine Wirtschaftskrise.

Eine Hungernot bedrohte das wirtschaftliche Überleben.

Gott hat diese Krise damals zugelassen, so wie er heute die Coronakrise zulässt, die viele Menschen weltweit wirtschaftlich bedroht, zu Entscheidungen zwingt.

Bei manchen geht es nicht nur wegen der gesundheitlichen Bedrohung durch Corona, sondern auch wegen der wirtschaftlichen Folgen um die Entscheidung um Leben und Tod, in manchen Teilen der Welt leiden Menschen Hunger oder verhungern wegen der wirtschaftlichen Folgeschäden von Corona.

Werde ich überleben oder nicht ?   Was kann ich tun, um zu überleben, welche Entscheidungen muss ich da treffen oder müssen Regierungen treffen ? 

 

In dieser doppelten Krise damals in Israel richtet die Bibel den Blick auf eine konkrete, einzelne Familie, die von dieser Krise betroffen war.

Und diese Familie erlebt noch eine dritte Krise, eine ganz individuelle Familienkrise.

So wie heute viele einzelne Familien in Deutschland oder weltweit ihre je eigene Familienkrise erleben, oft verursacht durch Wirtschafts- und Glaubenskrisen.

Der Familienvater damals hieß Elimelech ( Mein Gott ist König).

Ein frommer Name. Über seinen persönlichen Glauben wird aber nichts berichtet. Er wohnte  mit Frau und zwei Söhnen in Bethlehem.

Diese uns sehr bekannte Stadt heißt übersetzt „Haus des Brotes“.

Aber auch sie wird so stark von der landesweiten Hungersnot heimgesucht, es gab kein Brot mehr selbst  im Haus des Brotes so dass Elimelech sich entscheidet mit seiner Familie vor der Hungernot ins östliche Nachbarland Moab über den Jordan zu fliehen, etwa 80km von Bethlehem weg.

Heute würde man sie als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen, die eben vor wirtschaftlicher Not und aus Mangel an Überlebensperspektiven ihr Land verlassen.

Die meisten Menschen suchen auch heute erst einmal Zuflucht im eigenen Land oder im Nachbarland.

Die Moabiter waren zwar mit Israel verwandt ( Nachkommen Lots des Neffen von Abraham), aber es gab immer wieder Konflikte zwischen den Ländern. In solch ein Land flieht man sicher nicht ohne Not.

Die Familienkrise geht in Moab weiter.

Elimelech stirbt, Noomi ist als Witwe mit zwei Söhnen im fremden Land.

Die zwei Söhne heiraten Moabiterinnen.

Immerhin, das war doch eine ganz gute Integration.

Dann kommt jedoch nach 10 Jahren die nächste Krise für die Familie, die zwei Söhne Noomis sterben kinderlos.

Manche Familien trifft es besonders hart, doppelt und dreifach, das verstehen wir auch heute oft nicht, warum das so ist.

Wie sollte Noomi sich jetzt entscheiden ?

Noomi beschließt in ihre Heimatstadt Bethlehem zurückzugehn, nachdem die Hungersnot dort inzwischen zu Ende war.

 

Krise: wir erinnern uns an die Grundbedeutung des Wortes: Entscheidung, Trennung

 

Noomi entscheidet sich, in ihre Heimatstadt Bethlehem zurückzugehen, aber wie werden sich die beiden verwitweten Schwiegertöchter entscheiden ?

Auf diese Entscheidung richtet die Bibel jetzt das Augenmerk.

Es geht um das Verhalten der Schwiegertöchter in dieser Krise.

 

Die Bibel berichtet im Buch Rut Kapitel 1:

(7)Und Noomi  ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren,

(8)sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt.

(9)Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten

(10)und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen.

(11)Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten?

(12)Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einen Mann zu nehmen. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung! und diese Nacht einen Mann nehmen und Söhne gebären würde,

(13)wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch so lange einschließen und keinen Mann nehmen? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand ist gegen mich gewesen.

(14)Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küßte ihre Schwiegermutter, Rut aber blieb bei ihr.

(15)Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach.

(16)Rut antwortete: Rede mir nicht ein, daß ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.

(17)Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.

(18)Als sie nun sah, daß sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden.

(19)So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen

 

Man kann Krisen immer von zwei Seiten betrachten.

Von der Sicht der beteiligten Menschen aus, die gerade mitten in der Krise stecken.

Oder aus der Sicht Gottes, der den Überblick hat.

Aus beiden Perspektiven wollen wir nun diese Krise betrachten:

 

Für die beiden Schwiegertöchter ist es eine schwere Entscheidung.

Besonders, weil Noomi, ihre Schwiegermutter sie dreimal drängt umzukehren, im eigenen Land zu bleiben. Sie befiehlt sie sogar der Gnade und Barmherzigkeit Gottes an. Sie zählt alle vernünftigen Argumente auf, dass es für die beiden besser wäre, da zu bleiben.

Schließlich nach dem dritten Mal, läßt sich Orpa, die eine Schwiegertochter dazu bewegen, in ihrem Land zu bleiben.

Rut dagegen beharrt darauf, mit ihrer Schwiegermutter mit nach Bethlehem zu gehen.

Sie fühlt sich anscheinend verpflichtet, ihre Schwiegermutter zu unterstützen. In einer Krise müssen wir als Menschen, die nicht so den Überblick haben, oft schwere Entscheidungen treffen, obwohl wir nicht wissen, welche Folgen unsere Entscheidung hat.

Rut nimmt das Risiko auf sich, in ein fremdes Land zu gehen, weil sie für ihre Schwiegermutter da sein will.

Krisen können solche Charaktertests sein. Wie verhalte ich mich in der Coroan-Krise ? Was bestimmt meine Entscheidungen ?

Ist es Treue und Verlässlichkeit, Barmherzigkeit, Fürsorge für andere?

 

Interessant bei Rut ist, dass sie anscheinend Vertrauen zu dem Gott Israels gefasst hat. Sie möchte, dass es auch ihr Gott sein soll.

Sie schwört sogar in seinem Namen die Treue zu ihrer Schwiegermutter.

So wird  Rut zu einem ein positiven Vorbild für die Israeliten, die selber in dieser Zeit in einer Glaubenskrise waren.

 

Bei Rut stärkt die Krise ihr Vertrauen zu Gott.

Beides ist möglich: Krise heißt Entscheidung. Eine Krise kann einen Menschen näher zu Gott bringen oder auch von ihm wegbringen.

Das ist auch in den heutigen Krisen so.

Krisen klären, bringen klare Entscheidungen mit sich auch in Bezug auf meine Beziehung zu Gott. Das kann das positive an einer Krise sein.

Es ist auch eine klare Entscheidung gegen den Gott, der in Moab verehrt wurde, den Kemosch.

Das ist die andere Seite der Medaille.

Diese Geschichte der Rut zeigt somit, dass die heute weit verbreitete Ansicht falsch ist, dass jeder nach seiner Facon selig werden soll.

Wir glauben eben nicht alle an denselben Gott, wenn jeder an seinen glaubt.

Es ist vielmehr umgekehrt: Jahwe, der Gott Israels zeigt im Lauf der Geschichte Israels immer mehr, dass er nicht nur einer von vielen Göttern ist, sondern dass er der Gott aller Menschen ist.

Die Geschichte der Moabiterin Rut ist hier ein wichtiger Meilenstein in der immer klarer werdenden Offenbarung Gottes.

Dahinter sollten wir nicht zurückfallen.

Letzte Woche war zu hören, dass in Bhutan die Coronaimpfung auf März verschoben wird, obwohl schon eine große Lieferung Impfstoff angekommen ist im Land, weil die buddhistischen Leiter sagen, dass das Impfen erst im März Glück bringen wird nach dem Buddhistischen Kalender.

Ich habe bin mit dem Leiter der lutherischen Kirche in Bhutan, der früher buddhistischer Mönch war, in regelmäßiger Verbindung, und bete, dass diese Krise auch in Bhutan Menschen zu dem einen Gott bringt, dem lebendigen Gott, dem wahren Gott.

Beten wir, dass dies weltweit durch alle Krisen hindurch geschieht, vor allem auch in unserem eigenen Land.

 

Aus der Sicht Gottes gesehen, könnte man sagen:

Gott gebraucht eine Krise, um eine Frau in seine Heilsgeschichte hineinzuziehen, hineinzunehmen.

Gottes Absichten und Pläne werden wieder ein Stück mehr sichtbar.

Das, was er schon Abraham offenbart hat, wird wieder ein Stück Realität:  „In dir sollen gesegnete werden alle Völker auf Erden.“

 

Im Stammbaum Jesu finden sich vier heidnische Frauen, die also nicht aus dem Volk Israel waren.

Vor Rut schon Tamar, eine Kanaaniterin, die ihren Schwiegervater Juda täuschte und verführte.

Und die Hure Rahab, die in Jericho wohnte, als die Israeliten Jericho einnahmen.

Vier Generationen nach Rut die Batseba, die Hetiterin, die von David zum Bruch ihrer Ehe mit Uria verführt wurde.

 

Und  eben Rut, die Moabiterin. Sie ist gleichzeitig ein großes charakterliches Vorbild und sie legt dieses ausdrückliche Glaubensbekenntnis zu dem Gott Israels ab, nachdem sie dreimal ausdrücklich die andere Alternative abgelehnt hat.

Als sie dann nach Bethlehem kommt mit ihrer Schwiegermutter wird sie einen Israeliten heiraten und die Urgroßmutter Davids werden.

Die persönliche Krisen-und Entscheidungsgeschichte verbindet sich bei ihr mit der großen Heilsgeschichte Gottes.

 

Das ist bei jedem Menschen auch heute der Fall, wenn wir wahrscheinlich auch nicht solch eine prominente Schlüsselrolle in der Heilsgeschichte Gottes einnehmen.

Dennoch: Im Kleinen bringt Gott auch durch uns seine Pläne und Absichten voran.

Unsere Entscheidungen in Krisen und Entscheidungssituationen sind nicht egal oder unwichtig.

Gott fordert auch unseren Glauben, unser Vertrauen in Krisen heraus, dass wir uns klar zu ihm bekennen und so verantwortlich und fürsorglich für unsere Mitmenschen da sind wie Rut für ihre Schwiegermutter.